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Diagnoseprozess und Diagnosestrategien



Die Diagnose (wörtlich „Entscheidung“) dient der Erkennung und Benennung von Krankheiten, sie ist die Basis jeder gezielten Therapie. Das gilt nicht nur für die Schulmedizin – alle Heilverfahren bis hin zur Krankenpflege brauchen eine Diagnose, um gezielt helfen und heilen zu können.

Die Diagnose ist dabei der Schlusspunkt eines in Schritten ablaufenden Diagnoseprozesses:

  • Zu Beginn befragt der Arzt den Patienten zu seinen Beschwerden und der Krankheitsvorgeschichte (Anamnese).
  • Diese Informationen führen zusammen mit den Befunden der körperlichen Untersuchung durch den Arzt zur Verdachtsdiagnose. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass über 80 % der gesamten diagnostischen Informationen in diesen beiden ersten, praktisch ohne jede technische Hilfe auskommenden Diagnoseschritten gesammelt werden. Manche Krankheitsbilder sind sogar so charakteristisch (z. B. Kinderkrankheiten wie Windpocken oder Masern in Verbindung mit starkem Fieber und bestimmten Schmerzsymptomen), dass der Arzt sie auf den ersten Blick erkennt (Blickdiagnose).
  • Was danach kommt, egal ob Funktionsdiagnostik, Labordiagnostik oder bildgebende Untersuchungsverfahren, steuert nur 20 % aller im Diagnoseprozess gewonnenen medizinischen Informationen bei. In der Praxis geht es hier vorwiegend um Bestätigung oder Widerlegung der zuvor formulierten Verdachtsdiagnose. Oft ist eine Grunddiagnose zwar rasch gefunden (z. B. Herzrhythmusstörung oder der Verdacht auf bestimmte Tumorerkrankungen), muss aber präzisiert werden, um die Therapie optimal zu planen oder um das genaue Ausmaß einer Erkrankung herauszufinden.

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Differenzialdiagnose

Bei der Differenzialdiagnose schließt der Arzt bzw. der Therapeut Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden aus, bis eine sichere oder zumindest sehr wahrscheinliche Diagnose übrig bleibt.

Zunächst versucht der Untersuchende, besonders gefährliche Erkrankungen auszuschließen (z. B. einen Blinddarmdurchbruch bei Schmerzen im Unterbauch (zur Differenzialdiagnose), bevor er die vorliegende Krankheit näher bestimmt. Dabei beeinflussen die Wahrscheinlichkeit und die Behandelbarkeit einer Erkrankung das praktische Vorgehen. Nach sehr seltenen Erkrankungen sucht der Arzt oft erst gezielt, wenn Diagnose- und Behandlungsversuche bei einer nahe liegenden, häufig vorkommenden Krankheit fehlschlagen – anders wäre der diagnostische Aufwand auch kaum überschaubar.

Wenn sich eine Krankheit nur oder vor allem durch den Ausschluss aller anderen Möglichkeiten bestimmen lässt, spricht man von einer Ausschlussdiagnose (z. B. Differenzialdiagnose zu chronische Kopfschmerzen, akute Kopfschmerzen).

In wenigen Fällen ist auch durch noch so sorgfältige Untersuchungen keine sichere Diagnose zu stellen. Hier können Behandlungsversuche angebracht sein: Verschwinden etwa die Schmerzen im Brustkorb prompt auf die Gabe von Nitrospray, so besteht der starke Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung. Eine solche Diagnose aufgrund eines erfolgreichen Behandlungsversuchs nennt der Arzt Diagnose ex iuvantibus.

Der Weg zur Diagnose in der Komplementärmedizin

Wie die Schulmedizin benötigt auch die Naturheilkunde zur fachgerechten Therapieentscheidung genau zum jeweiligen Heilsystem passende diagnostische Informationen. Je nach Methode liegen die Schwerpunkte dabei auf:

  • Sehr differenzierten und zeitintensiven Anamnesegesprächen wie bei der Homöopathie
  • Speziellen elektrischen Untersuchungsverfahren wie z. B. der Messung des Hautwiderstands
  • Dem Einsatz übernatürlicher oder zumindest naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbarer Sinneswahrnehmungen, z. B. zur Lokalisierung von Wasseradern oder Strahlenfeldern
  • Der intensiven Betrachtung einzelner Organe der Körperregionen wie z. B. der Irisdiagnostik oder der Handliniendiagnostik.

Diese Diagnoseverfahren können auch die Schulmedizin bereichern. So empfinden viele Patienten die ausführliche, intensive und meist in stressfreier Umgebung erfolgende Begegnung mit dem Heilpraktiker als wohltuend und heilend. Durch den sehr intensiven Therapeut-Patienten-Kontakt kann besonders der Placebo-Effekt ausgeprägt und zumindest bei einigen Heilverfahren der eigentliche therapeutische Prozess sein.


07.03.2008 | Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Thilo Machotta


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